CQ COTA von Schloss Bellevue

Der lange Winter ist vorbei und das Wetter ist wieder so gut, dass draußen gefunkt werden kann. Somit ist DF0X wieder öfters zu hören, wenn die Station portabel aufgebaut wird.

Zum heutigen 1. Mai ging es zum Schloss Bellevue. Schließlich ist Burgentag und damit ein guter Tag für COTA-Aktivierungen. COTA steht für Castles On The Air. Die Bedingung dabei ist, im Umkreis von 1km zu einer Burg, einem Schloss oder einer Ruine zu stehen und von dort aktiv zu sein.

Schloss Bellevue von der Lutherbrücke aus gesehen
Schloss Bellevue von der Lutherbrücke aus gesehen

In Berlin gibt es knapp 20 aktivierbare Schlösser und Burgen. Ich suchte mir Schloss Bellevue aus, da es die schöne COTA-Referenznummer BLB-001 hat. Laut den Logs wäre das sogar eine Erstaktivierung dieses Schlosses. Außerdem wollte ich schon immer mal auf der Fußmatte des Bundespräsidenten funken…

Den Standort habe ich mir schon vor ein paar Wochen rausgesucht: Auf der anderen Seite der Spree hinter der Lutherbrücke. Das ist etwa 150m vom Hauseingang entfernt und somit wunderbar nah dran. Außerdem gibt es ein Geländer zur Spree hin, an dem ich den Gfk-Mast befestigen kann. Auf den Bänken lässt es sich gut sitzen. Der meiste Fußgängerverkehr geht wenige Meter hinter den Bänken die schiefe Ebene hoch.

Nordöstlich der Lutherbrücke lässt sich die Antenne am Geländer befestigen und auf der Bank sitzen
Nordöstlich der Lutherbrücke lässt sich die Antenne am Geländer befestigen und auf der Bank sitzen

Beim Eintreffen bat mich ein anwesender Angler, ich möge meine Angel weiter von ihm weg auswerfen. Ich musste ihm erklären, dass der Gfk-Mast keine Angel sei… Die selbstgebaute Inverted-Vee für 20m war schnell aufgebaut und ich konnte es mir auf der Bank gemütlich machen. Kaum stand die Antenne schaute DL7BUR vorbei, der bei einem Spaziergang die Antenne sah und mal nachschauen wollte. Es war mir eine Freude, ihn kurz wieder mal zu treffen!

Die Inverted Vee Antenne steht – im Hintergrund ist die Goldelse am Großen Stern zu sehen
Die Inverted Vee Antenne steht – im Hintergrund ist die Goldelse am Großen Stern zu sehen

Auf 20m konnte ich keine COTA-Station finden und auf mein CQ hat sich ein Serbe gemeldet. Zumindest wusste ich nun, dass ich überhaupt raus komme. Jedoch ist das 20m-Band in Berlin recht laut und wenn etwas über das Rauschen hinweg rein kommt, dann meistens mit großer Bandbreite aus Russland.

Später wechselte ich auf 40m, was sich mit der Antenne ziemlich gut anpassen lässt. Dort gab es den ersten COTA-Kontakt mit DL2RUF von BRB-163. Ein paar weitere Stationen hörte ich, aber ich kam einfach nicht durch. Selbst Aufdrehen auf 100W brachte nichts. Andere Stationen waren einfach stärker und belagerten die rufenden COTA-Stationen. Habe dann also wieder selbst gerufen, aber da kam nichts bei rum.

Funkgerät, Tuner, Notizbuch, Logbuch und Batterien vor Sonne geschützt im Rucksack
Funkgerät, Tuner, Notizbuch, Logbuch und Batterien vor Sonne geschützt im Rucksack

Erst mehr als zwei Stunden später und auf dem zweiten Akku schaffte ich es DM2C/p von SAX-166 zu arbeiten. Die Bedingungen auf 40m wurden schlechter, da nun ganz viele Stationen CQ Österreich riefen. Da fing wohl noch ein Contest an. Kurz darauf war keine COTA-Aktivität mehr zu hören.

Ich wechselte noch mal auf 20m und sprach kurz mit einem Italiener aus den Dolomiten, bei dem ich mit S9+10dB und absolut guter Modulation rein kam. Somit war ich mir sicher, dass mein Funkgerät nicht defekt war und ich auf 40m schlicht nicht gut genug raus kam.

Nachdem ich noch mal 10 Minuten auf 20m rief und keine Antwort erhielt, packte ich zusammen. Schließlich war ich bereits mehr als vier Stunden in der Luft.

Das Dach des Schloss Bellevue ist in Sichtweite vom Sitzplatz
Das Dach des Schloss Bellevue ist in Sichtweite vom Sitzplatz

Die Ausbeute an QSOs war sehr gering. Direkt von der Spree weg funken braucht vermutlich doch eine bessere Antenne oder mehr Leistung. Es war ein guter Testlauf, wie gut ich Funkgerät und Mast alleine transportieren und aufbauen kann. Somit steht weiteren Expeditionen auf die Berliner Schutt-  und Bunkerberge nichts mehr im Wege! Und grundsätzlich war es ein guter Tag in der Sonne bei mäßigen Temperaturen direkt am Wasser. Ein paar Gespräche mit Passanten waren dabei. Und noch mehr erstaunte mich, dass kein einziges Mal irgendeine Security oder die Staatsgewalt vorbei kam.

Hasenheide

Im Juni und Juli haben wir unsere ersten Outdoor-QSOs geführt. Dazu sind wir mit Equipment, das wir in Rucksäcken tragen können, in den Volkspark Hasenheide gegangen. Im Gegensatz zu anderen Volksparks gibt es hier ausreichend Bäume an denen wir Antennen befestigen können.

Getestet haben wir ausschließlich selbst gebaute Antennen. Die Antennen brachten wir mit Angelleine und Zwille in die Bäume. Bis ca. 12m Höhe klappt das recht gut. Getestet haben wir eine 20m Inverted-Vee, eine 15m Bazooka und eine Multibander G5RV für 10m-80m. Die 31m lange G5RV haben wir an drei Bäumen befestigen müssen, damit die Enden und die Einspeisung in der Luft hängen blieben.

G5RV
Einspeisung und halbe Länge der G5RV

Für den Aufbau kann gut mal eine Stunde drauf gehen. Treffen wir uns am späten Nachmittag, lässt sich nach dem Aufbau die Grey Line  schön ausnutzen. Der Abbau findet dann im Dunkeln statt.

Als TRX kamen bisher ein KX3 und ein IC-7000 zum Einsatz. Mit Hilfe von modernen LiPo-Akkus aus dem Modellbau lässt sich die Betriebszeit auf drei bis vier Stunden ausdehnen. Mit dem IC-7000 sind bis zu 100W Ausgangsleistung am TRX möglich, was sehr viel Spielraum gibt. Aber selbst 30W reichen für ein S9+20dB in Südwestengland aus!

Equipment
IC-7000, Antennentuner, LiPo-Akku, Antennenanalyzer, KX3 und Logbuch

Spannend sind immer die Gespräche mit anderen Parkbesuchern. Das Aufhängen der Antennen wird häufig als Kunst betrachtet. Und manchmal treffen wir auch andere Funker und können uns über das gemeinsame Hobby austauschen.